Wulff oder Gauck – Wulff hat jetzt schon verloren

Die Bundespräsidentenwahl ist mittlerweile komplett zur partei- und machttaktischen Veranstaltung verkommen, auch der aus dem Amt geschlichene Ex-Bundespräsident Köhler wäre nie ins Amt gekommen, wenn Merkel und Westerwelle es damals nicht so ausgeklüngelt hätten. Nun ist der „Wahlkampf“ zwischen Gauck und Wulff fast vorbei und es sieht so aus, als hätte Wulff bereits jetzt schon verloren.

Noch nie hat im Vorfeld einer Bundespräsidentenwahl ein Kandidat eine derartige Zustimmung in der Bevölkerung erhalten wie Joachim Gauck. Auch ich bin begeistert von ihm. Man wusste ja nicht mehr, wie sich das anhört, wenn mal etwas anderes als die kastrierte und deformierte Sprache der Berufspolitiker zu hören ist. Und Wulff, der quasi seit 30 Jahren Politiker ist, hat sich dermaßen diese verschwurbelte Sprache angeeignet bzw. aneignen müssen, das ist für mich unerträglich. Und genau das ist jetzt sein Problem. Sollte Wulff gewinnen und davon muss man leider ausgehen, wird er als Bundespräsident mit dem erheblichen Makel leben müssen, dass die Mehrheit der Deutschen einen anderen Präsidenten wollten und er nur zweite Wahl ist. Noch schlimmer, er ist dann ein mit aller Macht von der schwarz-gelben Regierung durchgedrückter Präsident, der schon vor dem Amtsantritt dadurch erheblich beschädigt wird. Nein, das ist wieder mal extrem schlecht von der Kanzlerin inszeniert worden und es steht zu befürchten, dass sich mit der Wahl von Wulff weiterer Mehltau über das Land legt. Wirkliche Größe wäre es, wenn Wulff seine Kanditatur zurückziehen und sich auf die Seite von Gauck stellen würde. Aber dazu fehlt ihm der Mut, aber es wäre das Beste, was er machen könnte. Mein Präsident wird er jedenfalls nicht.

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Befremdlich finde ich auch so manche Aussage von Wulff, wie z. B., dass er in seinem zukünftigen Bundespräsidentenbüro, wie bereits in seinem jetzigen Ministerpräsidentenbüro eine Spielecke für seinen 2-jährigen Sohn einrichten möchte. Zitat: „Kinderlärm ist Zukunftsmusik, und wo Menschen arbeiten, muss auch Platz für Kinder sein.“ Ich denke, das Büro eines Spitzenpolitikers ist nicht unbedingt der optimale Ort für ein 2-jähriges Kind. Der sollte mit anderen Kindern im Kindergarten spielen und nicht in einer vom Protokoll bestimmten Umgebung ohne andere Kinder eingesperrt sein. Außerdem, wie soll das gehen? Ein 2-jähriges Kind setzt man nicht einfach in die Ecke und dann spielt das stundenlang allein vor sich hin. Ein Büro ist nun mal ein denkbar ungeeigneter Platz für Kinder, wie viel Leute in Deutschland haben ihre Kinder an ihrem Arbeitsplatz? Ich kenne keinen Einzigen. Das ist doch lächerlich und absolut anbiedernd und zeugt von Unkenntnis, was Kinder brauchen. Auch, dass er dem Volk mitteilt, dass er seiner Frau Karten für ein U2-Konzert im August geschenkt hat und er jetzt nicht weiß, ob er als Bundespräsident da überhaupt hingehen kann. Was soll das? Will er uns damit verdeutlichen, wie jung er noch ist und Gauck wahrscheinlich nicht mal weiß, wer U2 sind? Für das Bundespräsidentenamt ist das wirklich nicht wichtig und U2 fühlen sich außerdem schwer nach 80er an. Irgendwie ist der Mann einfach daneben und wirkt mit seiner Krampfkanditaur eher unsympathisch.

Wollen wir mal das Amt des Bundespräsidenten nicht überhöhen, er hat absolut keine politische Macht. Aber Joachim Gauck hätte dem Amt wieder echten Glanz verliehen, bei Wulff wird das nicht sein, da weht dann eher der Charme eines Sparkassenfilialleiters aus dem Schloss Bellevue.