Verjährungsfristen bei Straftaten – gerecht ist das nicht

Im Zuge des Missbrauchsskandals in Internaten, Heimen und Einrichtungen für Jugendliche und Kinder rückte das Thema Verjährung im Zusammenhang mit Kindesmisshandlung und -missbrauch in den Vordergrund. Es bleibt ein komisches Gefühl, wenn man liest, dass etliche schwere Straftaten, die seit Bestehen der Bundesrepublik in den Jugendeinrichtungen begangen wurden, längst verjährt sind. Für die Opfer verjährt nichts.

Die Opfer, die als Kinder und Jugendliche sexuelle oder physische Gewalt erfahren haben, tragen das ihr Leben lang mit sich herum. Das Gefühl der absoluten Machtlosigkeit und des Ausgeliefert seins prägt sich tief in die Psyche eines Menschen. Umso mehr, wenn man das als Kind oder Jugendlicher erlebt, wenn man von Leuten missbraucht oder misshandelt wird, denen man vertraut. Die derzeitigen Verjährungsfristen scheinen Täter zu belohnen, die es geschafft haben, nicht vor Beginn der Verjährung erwischt zu werden. Hier sind die aktuellen Verjährungsfristen:

1. dreißig Jahre bei Taten, die mit lebenslanger Freiheitsstrafe bedroht sind,
2. zwanzig Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als zehn Jahren bedroht sind,
3. zehn Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als fünf Jahren bis zu zehn
Jahren bedroht sind,
4. fünf Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als einem Jahr bis zu fünf
Jahren bedroht sind,
5. drei Jahre bei den übrigen Taten.

Gar keine Verjährung gibt es bei Straftaten nach §211 StGB (Mord), §78 Abs. 2 StGB. Diese Vorschrift dient insbesondere dazu, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit u.a. auch nach dem Völkerstrafgesetzbuch zeitlich unbeschränkt zu verfolgen.
Quelle: zingel.de

Nehmen wir nur mal den Fall des Augsburger Bischofs Mixa. Mittlerweile wirft man ihm zwar nicht mehr sexuellen Missbrauch vor, jedoch hat er als Schrobenhausener Stadtpfarrer Kinder auf das Brutalste misshandelt.

Einige Auszüge von Aussagen damaliger Opfer:

„Er hat mich am Kittel gepackt, aus dem Bett hochgerissen und mit der Faust mehrmals auf den Oberarm geschlagen.“

„Herr Mixa hat mir im Laufe der Jahre mindestens 50-mal die Hose heruntergezogen und mit einem Stock fünf- bis siebenmal kräftig auf das Gesäß geschlagen“

„Einmal hat er einen Kochlöffel genommen. Dieser ist abgebrochen, dann nahm er die Hand.“
Während der Schläge soll Mixa gesagt haben: „Kind Gottes, nimm diese Strafe“, oder: „In dir ist der Satan, den werde ich dir schon austreiben.“
„Wenn ich sein Bild in der Zeitung sehe, dann holen mich die Demütigungen wieder ein, dann ist der Tag schon gelaufen.“

„Die Schwestern drohten stets mit der Aussage: ‚Warte nur, bis der Stadtpfarrer kommt.'“ Er sei dann auch gekommen – und habe die Kinder bestraft. „Meistens stand er im Raum, krempelte die Ärmel hoch und sagte, ich habe gehört, du hast dich danebenbenommen“, „Dann gab es Gebrüll und Schläge.“

Und so weiter und so fort, den bisher bekannten Horror, den dieser kranke Mensch den Kindern angetan hat, kann man in einem großen Artikel auf sueddeutsche.de nachlesen, daraus sind auch die Zitate.

Wenn man diese Aussagen so liest, kommt einem die Wut hoch. Der Kerl hat sich massiv an wehrlosen Kindern versündigt, wer Kinder schlägt, noch dazu mit der Faust, ist wirklich ein Fall für die Psychiatrie. Ein Stadtpfarrer hat heute noch in Städten wie Schrobenhausen eine hohe Autorität, damals als Mixa das Amt inne hatte, noch mehr. Offenbar war es damals nichts Besonderes, dass Kinder derart misshandelt wurden. Mixa war nicht der Einzige in Schrobenhausen, der prügelte. Auch die Nonnen sollen teilweise äußerst brutal gegenüber den anvertrauten Kindern gewesen sein. Aber leider, leider sind diese Taten alle verjährt, alle Beteiligten von damals haben offiziell eine weiße Weste. Dafür durchleiden die damaligen Opfer ständig das Gefühl der Machtlosigkeit. Jahrelang mussten sie erleben, wie der Herr Bischof im goldenen Ornat auftrat und sie nichts dagegen tun konnten, und auch jetzt, wo er überführt ist, erfahren sie keine Genugtuung. Dieser verkommene Mensch Mixa hat es bis heute nicht fertig gebracht, sich konkret bei den Opfern zu entschuldigen. Nicht mal das gönnt er ihnen. Und so etwas war Bischof und hat in einem der höchsten Kirchenämter die katholische Kirche vertreten.