Merkel und Westerwelle – wie halten die den Druck eigentlich aus?

So ein negatives mediales Umfeld wie es derzeit die Bundesregierung mit Merkel und Westerwelle an der Spitze erleben muss, hat es wohl noch nie für eine Regierung in der Bundesrepublik gegeben. Man sieht es den beiden auch wirklich an. Gut, man kann sagen, die wollten den Job und haben alles dafür getan, um ihn zu bekommen. Aber jetzt kann es wirklich keinen Spaß mehr machen. Der Druck ist seit es das Web 2.0 gibt, allerdings auch enorm gestiegen. Das ist eine Befeuerung aus allen Rohren und auch, wenn unsere Spitzenpolitiker offenbar wirklich in einer Art Raumschiff leben, das kann man nicht ignorieren und hinterlässt Spuren.

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Der Stress muss gnadenlos sein. Die Kanzlerin und der Außenminister haben seit Monaten so viele Baustellen zu managen, wie vor ihnen kaum jemand. Und sie spüren selbst, dass sie letztendlich überall versagt haben. Das Management bei den Themen Euro-Krise, Sparpaket, Opel, Bundespräsidentenwahl, Gesundheit, Wehrpflicht, und noch so einiges andere, was mir jetzt gerade nicht einfällt, spottet jeder Beschreibung. Regierungskunst ist jedenfalls etwas Anderes. Beide, Westerwelle und Merkel haben durch dieses Missmanagement jetzt aber auch langsam Probleme mit ihrer eigenen Partei. Es fängt damit an, dass Leute aus der zweiten Reihe und einzelnen Landesverbänden ziemlich deutliche Kritik an ihren jeweiligen Parteivorsitzenden äußern. Bei Westerwelle kann man sogar mittlerweile von einer beginnenden Demontage sprechen. FDP-Mitglieder sehen offenbar die Gefahr, dass die FDP durch das schwarz-gelbe Chaos in die politische Bedeutungslosigkeit (5%!) versinken könnte. Gnadenlos, wie Parteien nun mal sind, würden sie lieber Westerwelle opfern, vielleicht sogar die Regierung verlassen, um einen kompletten Neuanfang mit neuen Leuten zu starten, in der Hoffnung, dass das der Wähler goutieren würde. Jedenfalls wird immer mehr angezweifelt, dass Westerwelle das Format hat, gleichzeitig Außenminister und Parteichef zu sein. Ich persönlich spreche ihm auch für jedes einzelne Amt das Format ab. Das alles muss weh tun. Nach dem Triumph bei der Bundestagswahl 2009 so ein Absturz! Wie verkraftet man das? Was, wenn fast jede politische Entscheidung bei den Medien und großteils auch bei den Wählern durchfällt? Die Spitzenpolitiker bekommen jeden Tag eine Pressemappe vorgelegt, die ein Querschnitt der aktuellen Meldungen und Kommentare beinhaltet. Das geht an die Substanz, wenn man jeden Tag verheerende Kritiken lesen muss und dabei einen vollgestopften Terminkalender, der einem ohnehin kaum Luft lässt. Das Frustierende: Diese Regierung hat alle ihre Chancen verspielt , die Bevölkerung hat die Schnauze voll und viele hoffen insgeheim, dass der nächste Bundespräsident Joachim Gauck heißt, nicht nur, weil er der eindeutig bessere Kandidat ist, sondern auch, weil dann die Regierung Merkel dieses Jahr nicht mehr überstehen würde.

Der Druck muss also immens sein, nicht dass ich jetzt großes Mitleid empfinden würde, aber Schadenfreude kommt auch keine auf. Ist einfach eine Scheiß-Zeit, die die „da oben“ gerade durchmachen.

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