Köhler tritt zurück – so langsam gehen uns die Politiker aus

Horst Köhler ist heute, ich glaube für die meisten überraschend, von seinem Amt als Bundespräsident zurückgetreten. Nachdem kürzlich Roland Koch von der Fahne gegangen ist, gehen uns langsam die Spitzenpolitiker aus. Bitter ist das auch für Merkel und Westerwelle. Immerhin haben die beiden 2004 in Westerwelles’s Charlottenburger Altbauwohnung Köhler zum Kandidaten gemacht. Köhler begründet den Rücktritt mit der Kritik an seinen Äußerungen im Zusammenhang mit dem deutschen Afghanistan-Einsatz. Ist das der wirkliche Grund?

Unser Bundespräsident tritt zurück, übrigens das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik. Ich kann den Schritt nicht nachvollziehen und man muss annehmen, dass in Wahrheit andere Gründe eine Rolle gespielt haben. Die Kritik an seinen Äußerungen, dass Deutschland notfalls auch militärisch seine Interessen vertreten müsse, war doch schon wieder aus den Medien verschwunden und so harsch war sie nun auch nicht. Wie gesagt, ganz zu verstehen ist die Entscheidung nicht, sie macht mir Herrn Köhler aber nicht sympathischer. Es hat schon etwas von „aus der Verantwortung stehlen“. Auch wenn der Bundespräsident keine politische Entscheidungsmacht hat, irgendwie kommt man sich im Stich gelassen vor, so nach dem Motto: Schaut mal, das ihr allein aus der Scheiße rauskommt, ich habe keinen Bock mehr.

Für Merkel und Westerwelle kommen die Einschläge näher. Sie waren es, die Horst Köhler 2004 in einer Privat-Kungelei, die auch nicht gerade seriös wirkte, auf den Schild hoben. Nach Roland Koch geht mit Köhler ein weiterer Spitzenpolitiker, den man eher zum schwarz-gelben Lager rechnen kann. Es sieht wirklich nicht gut aus für CDU/CSU und FDP. Jetzt wird die Vorstellung konkreter, dass diese Koalition keine 4 Jahre durchhalten wird. Wäre auch besser so, wer möchte sich dieses Gemurkse auch 4 Jahre lang ansehen?

Es riecht ein bisschen nach Staatskrise, sicher ein großes Wort, aber die Situation ist schon kritisch. Beruhigend in dem Zusammenhang ist, dass unsere Bundeskanzlerin in diesen hektischen Zeiten noch die Muse findet, der deutschen Fußball-Nationalmannschaft einen Besuch im Süd-Tiroler Trainingslager abzustatten. Update: Inzwischen hat wohl auch die Kanzlerin mitbekommen, dass so ein Besuch in der jetzigen Situation eher daneben ist und den Termin abgesagt.