Deutschland und Frankreich sind die großen Verlierer der Euro-Rettung

Bei dem 750 Milliarden Euro schwere Rettungsschirm, den die EU-Finanzminister beschlossen haben und der mal eben durch unser Parlament gewunken werden soll, hat wahrscheinlich erhebliche Konsequenzen für die beiden Schwergewichte der EU, Deutschland und Frankreich. Da die beiden Länder mit weitem Abstand die größte Wirtschaftskraft von allen haben, müssen sie jetzt auch am meisten zu dem Rettungsschirm beitragen. Eine fatale Folge dessen könnte sein, dass Deutschland und Frankreich und möglicherweise auch andere EU-Länder ihre „AAA“-Note bei den Ratingagenturen verlieren. Das würde wiederum bedeuten, dass die Zinskosten für die herabgestuften Länder steigen würden. Wo das enden kann, sieht man an Griechenland.

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Stefan Kolek, sog. Stratege bei der UniCredit in München meint dazu: „Durch das Paket verschlechtert sich das Schuldenprofil, was die Bonitätseinstufung von Kernstaaten gefährden könnte“ und „Es handle sich um eine Art Schneeballsystem auf höchstem Niveau“. Mit anderen Worten, möglicherweise könnte das Triple A weg sein. Auch, wenn jetzt noch niemand weiß, ob das jemals eintrifft, meines Wissens gab es seit Bestehen der Bundesrepublik nie die Gefahr, dass sich die Bonität verschlechtern könnte. Auch wenn es niemand so richtig begreift, und damit meine ich wirklich niemand, man spürt, dass eine Bedrohung in der Luft liegt.

Es gibt aber noch mehr beunruhigende Nachrichten. Es wird gemeldet, dass es sein könnte, dass mehrere Mitglieder des Eurolandes nicht an den Garantien beteiligen können. Portugal, Spanien, Italien und Irland sind mögliche Kandidaten. Wenn die nicht können, müssen die Deutschen halt 150 Milliarden garantieren. Und kein Mensch kann sagen, ob selbst das nicht zu wenig ist. Ich halte das einfach für Wahnsinn, man bekommt immer mehr das Gefühl, dass die Krise genutzt wird, um auf Kosten der Haupt-Einzahler den eigenen Staatshaushalt zu verbessern. Ich werde jedenfalls nicht wissen, was ich meinen Kindern in 30 Jahren sagen soll, wenn deren Steuern zum größten Teil für die Tilgung von Schulden, die wir seit 40 Jahren machen, verwendet werden müssen und dieses Geld an sehr viel mehr Stellen fehlen wird, als es heute bereits der Fall ist. Wie auch immer, die Deutschen zahlen, das wird erwartet.

Frau Merkel sieht man in diesen Tagen den Stress an, sie wird auch mehr wissen als wir. Ausgerechnet jetzt bzw. seit Wochen haben wir keinen Bundesfinanzminister. Wolfgang Schäuble hat sich immer noch nicht von seinem Krankenhausaufenthalt erholt und musste an dem Abend, als das 750 Millionenpaket beschlossen wurde, in ein Brüsseler Krankenhaus eingeliefert werden. In einer Hauruck-Aktion musste er von Innenminister Thomas de Maizière ersetzt werden. Zwar ein Finanzexperte, der aber nicht vollkommen im Stoff sein konnte. Optimal ist etwas Anderes, zumal man sich fragt, was unser Bundeswirtschaftsminister Brüderle so wichtiges Anderes zu tun hat, dass er überhaupt nicht mehr in Erscheinung tritt.

Hier zur Veranschaulichung, welches EU-Mitglied wie viel pro Jahr einzahlt. Ist zwar von 2005, aber seit dem hat sich nichts Grundlegendes geändert:

Mitgliedstaat Bevölkerung (Mio.) Haushalts-
beiträge 2005
(Mio. Euro)
Euro pro Bürger
Deutschland 82,4 21.313 259
Frankreich 59,6 16.888 283
Italien 57,3 13.996 244
Vereinigtes Königreich 59,3 12.339 208
Spanien 46,1 8.901 214
Niederlande 16,2 5.412 334
Belgien 10,4 4.091 393
Schweden 8,9 2.817 317
Polen 38,2 2.367 62
Österreich 8,1 2.209 273
Dänemark 5,4 2.066 383
Griechenland 11,0 1.848 168
Finnland 5,2 1.512 291
Portugal 10,5 1.385 132
Irland 4,0 1.366 342
Tschechien 10,2 999 98
Ungarn 10,1 896 89
Slowakei 5,4 382 71
Slowenien 2,0 285 143
Luxemburg 0,4 238 595
Litauen 3,5 211 60
Zypern 0,7 157 224
Lettland 2,3 126 55
Estland 1,4 99 71
Malta 0,4 51 128
Gesamt 455,7 101.954 224

Quelle: Wikipedia