Bundespräsidentenwahl-Gewürge – da haben einige verloren

Die heutige Bundespräsidentenwahl, so wie sie gelaufen ist, ist ein Debakel für die schwarz-gelbe Koalition und für Frau Merkel im Besonderen. Aber auch Christian Wulff hat verloren. Schwarz-gelb hat ihn eher ins Amt gewürgt. Da fällt einem nur der Begriff „Fehlstart“ ein. Schade, Gauck wäre wirklich mein Wunschpräsident gewesen. Die Linkspartei aber ist vielleicht der größte Verlierer des Tages.

Für das Verhalten der Linke bei dieser Bundespräsidentenwahl wird die Partei einen hohen Preis bezahlen. Der erste Fehler war, dass sie eine eigene Kandidatin, die von Anfang an chancenlos war, aufzustellen. Als es dann im ersten Wahlgang für Wulff – für alle überraschend – nicht reichte, hätte die Linke das Zeichen setzen können, ihre Kandidatin zurückziehen und im zweiten Wahlgang für Gauck stimmen können. Sie hat es nicht getan. Spätestens im dritten Wahlgang, hätten sie für Gauck stimmen müssen, sie haben sich enthalten. Ein schwerer Fehler, meiner Ansicht nach. Es geht ja nicht darum, dass Gauck dann Bundespräsident geworden wäre, das hätte immer noch nicht gereicht. Aber es wäre das Zeichen gewesen, mit dem die Linke sich z.B. bei mir, der die Partei nach wie vor unwählbar hält, ein Stück Achtung verdient hätte. Joachim Gauck war ja nun kein Verlegenheitskandidat, ich halte ihn für den wesentlich besseren Bundespräsidenten. Das war offenbar nicht möglich für die Linke. damit hat sie sich aber meiner Ansicht nach in der Wahrnehmung der Wähler dermaßen diskreditiert, dass sie tendenziell in den nächsten Wahlen und besonders im Blick auf die nächsten Bundestagswahlen, wann auch immer die sein wird. Die Linke hat bei dieser 100%igen Chance einen total zerstrittenen Eindruck hinterlassen. Besondere Ironie: Hätte die Linke keine eigene Kandidatin aufgestellt und im ersten Wahlgang für Gauck gestimmt, wäre er jetzt unser Bundespräsident. Mit den Stimmen der „Abweichler“ zusammen hätte es gereicht. Was für eine Chance, man kann nicht glauben, dass die Mehrheit der Linke diese Möglichkeit nicht erkannt hat.

Für die Bundeskanzlerin muss der Tag der reinste Horror gewesen sein. Sie musste wohl zwischen den Wahlgängen ihre Leute auf Knien bitten, endlich ihren Kandidaten zu wählen. Was für eine peinliche Nummer. Neustart (war es jetzt der 12. oder schon der 13.?) sieht anders aus. Diese Koalition ist erneut geschwächt, allzu lange wird sich diese Regierung nicht mehr halten können. Das ist meine feste Überzeugung. Spätestens nach deftigen Niederlagen bei den Landtagswahlen im nächsten Jahr werden FDP und CDU die Reißleine ziehen und ihre jeweiligen Vorsitzenden meucheln.