1. Mai – wo leben wir eigentlich?

Wieder 1.Mai in Berlin und wieder das gleiche Ritual. Ich finde es einfach pervers. Da wird über Vorgehensweisen der Polizei diskutiert und jeder richtet sich darauf ein, dass es erheblichen Sachschaden gibt. Seit Jahren wird akzeptiert, dass der Staat Köperverletzungen, Sachbeschädigungen, Beleidigungen nicht unterbinden kann. Ein Schritt weiter, es ist ein Ritual geworden, an das wir uns fatalerweise gewöhnt haben und es inzwischen einfach hinnehmen. Ich lerne fast täglich neue Leute kennen und oft fühle ich mich in meiner Meinung bestätigt, dass das alles eigentlich nicht sein kann.

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So wie ich, müssen sich Kunden von mir, die im Prenzlauer Berg wohnen, Gedanken machen, wo die in den Tagen um den 1. Mai ihren Wagen parken. Manche haben ihr Auto in der Garage, andere haben es wirklich in einem sicheren Stadtbezirk geparkt. Das allein ist schon krass. Es wird aber in Berlin „im Vorfeld“ bereits davon gesprochen, dass es diesmal Tote geben könnte. Wir werden offenbar darauf schon vorbereitet. Man rechnet mit Toten, dann muss man sich aber auch fragen, auf welcher Basis findet die Randale statt? Um was geht es denn den Randalierern? Wenn auch auf den Maidemonstrationen in den 80er Jahren in Berlin bereits sehr krude Parolen verbreitet wurden, es hatte einen politischen Hintergrund und es stand irgendwo eine Idee dahinter. Das hat sich mittlerweile enorm geändert. Man glaubt es kaum, aber es reisen etliche eher jüngere Leute nach Berlin, um daraus einen Event zu machen mit Verletzungsrisiko. Und von den Berlinern sind es mehrheitlich türkisch / arabische Jugendliche, die es dem ungeliebten Staat mal so richtig zeigen wollen. Politischer Anspruch ist hier nicht zu erkennen. Das macht das Ganze für mich noch unverständlicher. Andererseits gilt zumindest für die Linken: Berlin hat ja schon einen Rot-roten Senat, die taugen als Gegner nicht so gut. Ich habe hier auch keine Präferenzen für rechts oder links. Die nerven beide gleichermaßen. Möglicherweise knallt es morgen ausgerechnet im Prenzlauer Berg, durch den die Demonstrationsroute der Rechten läuft. Wenn man klug ist, geht man nicht an die Brennpunkte. Wer es dennoch tut und dabei zu Schaden kommt, muss auf mein Mitleid verzichten. Ich war 1994 bei einem 1.Mai dabei und habe mir das angesehen. Nur mit Glück bin ich nicht verletzt oder verhaftet worden, obwohl ich nur Beobachter war. Liebe Leute, lasst es doch einfach sein, man könnte den 1.Mai so schön verbringen. In diesem Sinne, genießt den Tag.

Hier noch ein Handyfoto, schnell aus dem Auto aufgenommen. Ich fand die Plakate aus zwei Gründen interessant. Einmal die Parole „Keine Befreiung ohne Revolution“ und „Eine kommunistische Welt ist möglich“ klingen schon sehr vor-vorgestrig und das Ganze dann auch noch in türkischer Version (links). Allgemein bekannt ist auch, dass die Türken eher rechts wählen, deshalb glaube ich nicht, dass davon viele Türken angesprochen werden.